Rumänische Reflexivverben

Lerne, wie sich rumänische Reflexivklitika nach dem Subjekt richten und wie du selbstbezogene, lexikalische, reziproke, mediale und unpersönliche Verwendungen unterscheidest.

Ein rumänisches Reflexivverb verwendet ein kurzes Pronomen, ein sogenanntes Klitikon, das die Handlung mit dem Subjekt verbindet: Mă spăl în fiecare dimineață. (Ich wasche mich jeden Morgen.) Dieselben Formen können auch zu einem lexikalisch pronominalen Verb gehören, eine reziproke Handlung ausdrücken oder eine allgemeinere Konstruktion mit se bilden. Deutsche Reflexivpronomen wie „mich selbst“ oder „sich selbst“ lassen sich daher nicht mechanisch ins Rumänische übertragen.

Wie bildest du ein Reflexivverb?

Konjugiere das Hauptverb wie gewohnt und stelle in einem gewöhnlichen Satz mit finitem Verb das zum Subjekt passende Klitikon davor. Die Wörterbuchform enthält das Klitikon, etwa a se spăla (sich waschen) oder a-și aminti (sich erinnern); seine Form richtet sich jedoch nach der Person.

PersonReflexivklitikon im AkkusativReflexivklitikon im DativBeispiel mit a se spăla
euîmiEu mă spăl. (Ich wasche mich.)
tuteîțiTu te speli. (Du wäschst dich.)
el / easeîșiEa se spală. (Sie wäscht sich.)
noineneNoi ne spălăm. (Wir waschen uns.)
voi / dumneavoastrăVoi vă spălați. (Ihr wascht euch.)
ei / eleseîșiEle se spală. (Sie waschen sich.)

Das Akkusativklitikon wird verwendet, wenn das Subjekt zugleich das direkte Objekt ist: se in Ea se vede în oglindă (Sie sieht sich im Spiegel). Das Dativklitikon bezeichnet eine indirekt beteiligte Person, einen Begünstigten oder einen Besitzer: Ea își spală mâinile (Sie wäscht sich die Hände). Die Formen der ersten und zweiten Person stimmen mit den unbetonten Objektpronomen überein; die Formen der dritten Person se und își zeigen weder Genus noch den Unterschied zwischen Singular und Plural an. Mehr zum Unterschied zwischen den Kasus und zu den Vollformen findest du unter rumänische Reflexivpronomen.

Welche Bedeutung drückt die Reflexivkonstruktion aus?

Betrachte das Verb, das Subjekt und den Rest des Satzes zusammen. Die Schreibweise des Klitikons allein sagt dir nicht, ob die Bedeutung selbstbezogen, reziprok, lexikalisch, medial, passivähnlich oder unpersönlich ist.

VerwendungPrüffrageRumänisches BeispielBedeutung
Echte selbstbezogene ReflexivkonstruktionKehrt die Handlung zur selben Person zurück?Mara se îmbracă.Mara zieht sich an.
Reziproke VerwendungFührt jedes Mitglied die Handlung an den anderen aus?Mara și Ioana se salută.Mara und Ioana grüßen sich gegenseitig.
Inhärent bzw. lexikalisch pronominalIst das Klitikon fester Bestandteil des Wörterbucheintrags?Mă gândesc la examen.Ich denke an die Prüfung.
Mediale oder antikausative VerwendungBetrifft das Ereignis ein unbelebtes Subjekt, ohne dass eine handelnde Person genannt wird?Ușa se închide.Die Tür schließt sich.
Passivähnliches seIst eine nicht genannte Person als Handelnde gemeint?Se vând bilete.Fahrkarten werden verkauft / Fahrkarten erhältlich.
Unpersönliches seGibt es kein gewöhnliches grammatisches Subjekt?Se spune că plouă.Man sagt, dass es regnet.
  • Für eine echte reflexive Verwendung vergleichst du die aktive mit der reflexiven Konstruktion: Bunica îl îmbracă pe Andrei. (Die Großmutter zieht Andrei an.) und Andrei se îmbracă. (Andrei zieht sich an.) In der Aktivkonstruktion ist eine andere Person das Objekt; in der Reflexivkonstruktion kehrt die Handlung zum Subjekt zurück.
  • Ein Subjekt im Plural kann se eine reziproke Bedeutung geben: Mara și Ioana se ajută una pe alta. (Mara und Ioana helfen sich gegenseitig.) Ergänze unul pe altul oder una pe alta, wenn die Gegenseitigkeit eindeutig ausgedrückt werden soll; se allein legt die Bedeutung nicht immer fest.
  • Inhärent oder lexikalisch pronominale Verben musst du zusammen mit ihrem Klitikon und der jeweiligen Präposition lernen: a se gândi la (an etwas denken), a se teme de (Angst vor etwas haben), a-și aminti de (sich an etwas erinnern). Sie bedeuten nicht automatisch „über sich selbst nachdenken“, „sich vor sich selbst fürchten“ oder „sich selbst in Erinnerung rufen“.
  • Einige Wörterbucheinträge mit a se haben eine Bedeutung, die sich nicht aus dem Aktivverb ableiten lässt: a uita bedeutet vergessen, a se uita dagegen schauen oder etwas ansehen. Leite daher nicht allein von einer deutschen Übersetzung ab, ob se steht.

Wohin gehört das Klitikon?

Das Klitikon bleibt bei der Verbgruppe, doch seine Stellung richtet sich nach der Verbform: Es steht vor einem einfachen finiten Verb, vor dem Hilfsverb im zusammengesetzten Perfekt, nach im Konjunktiv Präsens und wird im bejahenden Imperativ mit einem Bindestrich an das Verb angehängt.

VerbformAkkusativ-BeispielDativ-BeispielBedeutung
PräsensSe spală.Își amintește numele.Er oder sie wäscht sich / erinnert sich an den Namen.
Zusammengesetztes PerfektS-a spălat.Și-a amintit numele.Er oder sie hat sich gewaschen / sich an den Namen erinnert.
Futur mit o săO să se spele.O să-și amintească.Er oder sie wird sich waschen / erinnern; sie werden sich waschen / erinnern.
Konjunktiv PräsensVrea să se spele.Vrea să-și amintească.Er oder sie möchte sich waschen / erinnern.
Bejahender ImperativSpală-te!Amintește-ți!Wasch dich! / Erinnere dich!

Im zusammengesetzten Perfekt steht das Reflexivklitikon vor dem Hilfsverb a avea: m-am, te-ai, s-a, ne-am, v-ați, s-au; die Dativformen lauten mi-am, ți-ai, și-a, ne-am, v-ați, și-au. Das Partizip richtet sich nicht nach dem Genus des Subjekts: S-a spălat gilt für einen Mann ebenso wie für eine Frau. Das Klitikon o für ein feminines direktes Objekt im Singular ist dagegen nicht reflexiv und folgt dem Partizip: A spălat-o pe Ana. (Er oder sie hat Ana gewaschen.)

Wie verneinst du ein Reflexivverb?

Setze nu vor das Reflexivklitikon: Nu mă spăl. (Ich wasche mich nicht.) und Nu se gândește la examen. (Er oder sie denkt nicht an die Prüfung.) Im zusammengesetzten Perfekt lautet die Reihenfolge nu + Klitikon + Hilfsverb + Partizip: Nu s-a spălat. (Er oder sie hat sich nicht gewaschen.)

  • Im Konjunktiv steht nu nach und vor dem Klitikon: E bine să nu te grăbești. (Es ist gut, sich nicht zu beeilen.)
  • Im bejahenden Imperativ wird das Klitikon an das Verb angehängt: Îmbracă-te! (Zieh dich an!) In der zweiten Person Singular verwendet der negative Imperativ nu mit der infinitivgleichen Form und stellt das Klitikon davor: Nu te îmbrăca! (Zieh dich nicht an!)
  • Mit o să bleibt das Klitikon nach : Nu o să se certe. (Sie werden nicht streiten.) Auch die gängige verkürzte Verneinung N-o să se certe wird verwendet. Mehr zu den allgemeinen Tempus- und Modusmustern findest du unter rumänisches zusammengesetztes Perfekt, rumänische Verneinung mit nu und rumänischer Konjunktiv Präsens.

Was solltest du als festes Verbmuster lernen?

Beginnt ein Wörterbucheintrag mit a se oder a-și, solltest du das gesamte Verbmuster mitsamt Präposition und Bedeutung lernen. Die deutsche Entsprechung kann ganz gewöhnlich und nicht reflexiv sein: a se întâlni cu cineva bedeutet jemanden treffen, a se răzgândi seine Meinung ändern. Ein rumänisches Reflexivverb ist daher ein lexikalisches und grammatisches Muster, nicht einfach die Übertragung eines deutschen Reflexivpronomens.

WörterbuchmusterNützliche PräsensformBedeutung
a se gândi laMă gândesc la vacanță.Ich denke an den Urlaub.
a se întâlni cuNe întâlnim cu prietenii.Wir treffen unsere Freunde.
a-și aminti deÎși amintește de copilărie.Er oder sie erinnert sich an die Kindheit.
a se teme deNu mă tem de întuneric.Ich habe keine Angst vor der Dunkelheit.
a se îmbrăcaCopiii se îmbracă repede.Die Kinder ziehen sich schnell an.

Häufige Fehler

  • Passe se weder an Genus noch an Numerus an: El se spală, ea se spală, ei se spală, und ele se spală behalten alle se.
  • Verwende nicht das Akkusativklitikon se, wenn der Bezug auf das Subjekt als Dativ ausgedrückt wird: In Își spală mâinile bezeichnet das Dativklitikon den Besitzer der Hände, während Se spală eine Handlung am Subjekt selbst bezeichnet.
  • Stelle ein gewöhnliches Präsensklitikon nicht hinter das Verb: Schreibe Se întâlnesc, nicht Întâlnesc-se. Die Anfügung an das Verb gehört zu Formen wie Întâlnește-te!.
  • Nimm nicht an, dass jedes se eine Handlung ausdrückt, die auf eine Person selbst zurückwirkt. In Se vând bilete ist se passivähnlich, in Se spune că este târziu unpersönlich; in Ușa se deschide kann es ein mediales oder antikausatives Ereignis beschreiben.
  • Lass se bei einem inhärent pronominalen Verb nicht weg und füge es nicht allein deshalb hinzu, weil das Deutsche ein Reflexivpronomen verwendet. Prüfe das rumänische Wörterbuchmuster: a se uita bedeutet schauen, nicht sich selbst ansehen.
  1. Welcher Satz bedeutet „Mara wäscht sich“?

    • Mara își spală.
    • Mara se spală.
    • Mara spală-se.
    • Mara o spală.

    Das Subjekt ist zugleich das direkte Objekt. Daher steht das Reflexivklitikon im Akkusativ se: Mara se spală. Das Dativklitikon își benötigt ein weiteres direktes Objekt, etwa in Mara își spală mâinile.

  2. Wähle die richtige Form der ersten Person Singular von a se gândi la examen.

    • Mă gândesc la examen.
    • Îmi gândesc la examen.
    • Mă gândi la examen.
    • Gândesc-mă la examen.

    A se gândi la ist ein inhärent pronominales Verbmuster. In der ersten Person Singular des Präsens lautet die Form mă gândesc; steht vor dem finiten Verb.

  3. In welchem Satz steht das Reflexivklitikon im zusammengesetzten Perfekt an der richtigen Stelle?

    • S-a îmbrăcat repede.
    • A îmbrăcat-se repede.
    • Se a îmbrăcat repede.
    • Îmbrăcat s-a repede.

    Im perfectul compus steht das Reflexivklitikon vor dem Hilfsverb: s-a îmbrăcat. Das Partizip bleibt nach dem Hilfsverb.

  4. Welche Beschreibung passt zu se in Mara și Ioana se ajută una pe alta?

    • Es kennzeichnet ein Subjekt im Femininum Singular.
    • Es kennzeichnet einen reflexiven Besitzer.
    • Es drückt eine reziproke Bedeutung aus.
    • Es gehört zu einem unpersönlichen Wetterverb.

    Das koordinierte Subjekt im Plural und una pe alta zeigen, dass jede Person der anderen hilft. Hier hat se eine reziproke Bedeutung.

  5. Welcher Satz verwendet ein passivähnliches se und keine echte selbstbezogene Reflexivkonstruktion?

    • Radu se vede în oglindă.
    • Radu se îmbracă.
    • Radu se gândește la examen.
    • Se vând bilete.

    In Se vând bilete werden Fahrkarten verkauft, ohne dass eine handelnde Person genannt wird. Deshalb hat se hier eine passivähnliche Lesart. Die anderen Sätze enthalten eine selbstbezogene oder eine lexikalisch pronominale Konstruktion.

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